St. Wendel: Jugendliche gegen Diskriminierung "An der Regelschule schaffst du das nie!"

Jerôme musste sich schon immer durchsetzen. Trotz Handicap hat er sein Abi an einer Regelschule geschafft und engagiert sich nun gegen Diskriminierung. Herzenssache hilft ihm dabei.

Jugendliche gegen Diskriminierung (Foto: SWR)

"Jerôme wird immer bevorzugt – ohne ihn wären wir hier besser dran." Solche Sätze hörte Jerôme während seiner ganzen Schulzeit. Eine Spastik verbunden mit einer Gleichgewichts- und Sehstörung führte dazu, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Viele hatten gesagt: "An der Regelschule schaffst du das niemals." Doch er hat sein Abi bestanden ‒ an einer Regelschule. Es gab aber auch welche, die an ihn geglaubt haben, betont er. Inzwischen absolviert er sein Freiwilliges Soziales Jahr im Adolf-Bender-Zentrum und engagiert sich aufgrund der eigenen Erfahrungen gegen Diskriminierung.

Mutig gegen Stammtischparolen und Mobbing

Das Adolf-Bender-Zentrum ist im gesamten Saarland ein Begriff. 2017 wurde der Träger mit dem Saarländischen Weiterbildungspreis ausgezeichnet. Hier werden Jugendliche zum Thema Ausgrenzung und Mobbing geschult. Herzenssache untestützt das Projekt "Jugendliche gegen Diskriminierung". Jugendliche werden dafür sensibilisiert, wie sehr sich diskriminierende Äußerungen und Mobbing in ihren Alltag eingeschlichen haben. Sie lernen, Beleidigungen im Netz, in der Schule und im Verein zu erkennen und ihnen souverän etwas entgegenzusetzen. Die Nachfrage ist groß, doch das Adolf-Bender-Zentrum muss seine Arbeit zu 90 Prozent aus Spenden finanzieren.

Das geplante Projekt besteht aus zwei Teilen. Teil 1 besteht aus einem Thementag zu Menschenrechten an Schulen und Jugendeinrichtungen. Dabei geht es um alltägliche Verstöße gegen Menschenrechte. Im zweiten Teil, der Mentorenausbildung, werden Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturkreisen über einen Zeitraum von fünf Monaten intensiv geschult. Sie erhalten z.B. ein Argumentationstraining und einen mehrtägigen Workshop zum Thema Medienkompetenz. Sie werden so zu offiziellen Ansprechpartnern und Multiplikatoren in Schule und Verein. "Mobbingopfer sein ist echt hart“, zieht Alexander Kaib nach seiner Mentorenausbildung Bilanz. "Da muss man jemanden haben, der einem hilft. Und wie, das weiß ich jetzt." Insgesamt werden mit Unterstützung von Herzenssache innerhalb der Laufzeit bis zu 1.000 Jugendliche im gesamten Saarland erreicht.

Cybermobbing – jeder Dritte ist betroffen
Jeder dritte Jugendliche gibt an, dass in seinem Bekanntenkreis schon mal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Je älter die Jugendlichen sind, desto höher ist der Anteil derer, die schon von so einem Fall erfahren haben. Quelle: JIM-Studie 2016 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs)

STAND