Südwesten: Zehn Gemüsegärten an Schulen für benachteiligte Kinder Lernen durch Selbermachen: "Ich werde Ackerdemiker"

Grundschüler bauen ihr eigenes Gemüse an. Ein Lehrer und die GemüseAckerdemie unterstützen sie dabei. Mit Hilfe von Herzenssache werden zehn weitere Schulen ihren Gemüseacker bestellen.

Lernen durch Selbermachen (Foto: SWR)

Zehn Gemüsegärten an Schulen mit besonderem Förderbedarf in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland – dieses Ziel wollen Herzenssache und der gemeinnützige Verein Ackerdemia aus Potsdam gemeinsam erreichen. Derzeit gibt es schon Gemüsegärten in Göppingen und in Koblenz. In den ausgewählten Schulen wird ein Garten eingerichtet und im Nachmittagsunterricht mit den Kindern bewirtschaftet. Das Konzept vereint viele verschiedene Ansätze: Es will der Entfremdung von der Natur entgegenwirken, Diabetes und Bewegungsmangel vorbeugen und Wissen vermitteln. Die Kinder bauen selbst an, pflegen, ernten und vermarkten ihr Gemüse.

Zehn Gemüsegärten an Schulen (Foto: SWR)

Durch die Arbeit in kleinen Mehrgenerationen-Teams aus Kindern verschiedener Altersstufen, Rentnern, Studenten oder Eltern - werden auch das Miteinander und die soziale Kompetenz gestärkt. Herzenssache wird dazu beitragen, rund 300 benachteiligten und behinderten Kindern dieses sinnvolle und nachhaltige "Ackern" zu ermöglichen.

Volle Konzentration für die Ernte!

Der neunjährige Adrian* aus der Grundschule Mülheim hat oft Schwierigkeiten, ruhig zu bleiben und sich auf eine Sache zu konzentrieren. Bereits in der Kita wurde bei ihm ADHS diagnostiziert, aber wenn er mit seinen Klassenkameraden auf dem Acker arbeitet, ist von einem Aufmerksamkeitsdefizit keine Spur: Hier geht Adrian konzentriert, ruhig und verantwortungsvoll mit den teilweise großen Gartengeräten um. Als kleiner Experte kennt er den Garten wie seine Westentasche und weiß, wie er seine Mitschüler fürs Ackern begeistern kann.

Ackern für die gute Sache
Den gemeinnützigen Verein Ackerdemia und die GemüseAckerdemie gibt es seit 2014 und bundesweit inzwischen an 60 Standorten. Bis 2020 sollen jährlich 650 Bildungseinrichtungen mit ca. 20.000 Kindern an dem Programm teilnehmen. Ziel ist es, die Wertschätzung für Lebensmittel in der Bevölkerung zu steigern und der Entfremdung der Natur entgegenzuwirken. Dafür wurde der Verein schon mehrfach ausgezeichnet. Im Mittelpunkt steht die GemüseAckerdemie – ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche erleben und erfahren, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie diese angebaut werden.

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