Lebach: Inklusives Herzenssache-Camp im Nationalpark Mehr Kontakt zu Mutter Erde

Eigentlich mag ein Kind mit autistischen Zügen nichts, was schmutzig oder feucht sein könnte. Doch im Herzenssache-Camp baute Bastian* mit Vanessa* sogar eine eigene Laubhütte.

Kinder im Herzenssache-Camp (Foto: SWR)

Für die beiden 12- und 13-Jährigen ist ein Tag im Wald etwas ganz Besonderes. Unterstützt durch seine Bezugsbetreuerin konnte sich Bastian trotz seiner autistische Züge im Wald sogar darauf einlassen, Äste und Blätter zu sammeln, um mit Vanessa eine Laubhütte zu bauen. Die beiden leben in der Wohnstätte Hirzbachhof der Lebenshilfe Neunkirchen. Zusammen mit den anderen Kindern ihrer Gruppe hatten sie viel Spaß dabei, eine ganze Woche lang jeden Tag mit den Wildnispädagogen im Wald zu sein. "Unsere Kinder waren nach so einem Waldtag viel besser geerdet und viel ruhiger als sonst", erzählten die Betreuer. *Namen geändert

Inklusives Herzenssache-Camp (Foto: SWR)

Besonders beeinträchtigte Kinder profitieren

Die Einrichtung des Herzenssache-Camps mitten im Nationpark Hunsrück-Hochwald und der Aufbau der wildnispädagogischen Angebote wurden in den letzten beiden Jahren von Herzenssache finanziell unterstützt. Die gemeinsamen Aktionen und Erlebnisse im Nationalpark holen die Kinder spielerisch aus ihrer eigenen kleinen Welt. Wildnispädagogen und Inklusionshelfer begleiten sie dabei.
Die Nachfrage nach den Wildnistagen steigt – besonders bei Förderschulen – stetig an. Rund 30 Schulklassen mit insgesamt rund 600 Schülern haben das Angebot bisher genutzt. Darunter viele Kinder, die noch nie so einen Tag erlebt haben, weil das Familienbudget für solche Extras nicht reicht.
Herzenssache will daher den Ausbau des Camps und die Kosten für Aufenthalt und Verpflegung dieser Kinder auch für die nächsten drei Jahre sicherstellen. Dabei sollen insbesondere stark beeinträchtigte, geistig behinderte Kinder und Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten von der Zeit im Wald profitieren. Neu wird sein, dass im Frühjahr 2019 Übernachtungsplätze eingerichtet werden, damit Schulklassen und Wohngruppen hier auch mehrere Tage bleiben können. Besonders während der Schulferien ist das eine wichtige Neuerung.
Die Wirkung der zweiten Förderphase soll durch Befragungen evaluiert werden. Ziel ist es, das Projekt nach den drei Jahren durch eine öffentliche Förderung und Sponsoren weiter zu finanzieren.

Herzenssache fördert dieses Projekt, weil…

  • hier in den letzten zwei Jahren ein einzigartiges, inklusives Angebot in der Natur aufgebaut wurde
  • sich der Aufenthalt in der Natur auf psychisch stark belastete und geistig beeinträchtigte Kinder nachweislich positiv auswirkt
  • es zu wenig Angebote für die Teilhabe von geistig behinderten Kindern gibt
STAND