Tannheim: Radfahren als Reha für Kinder mit Handicap Mit dem E-Bike zurück in ein "normales" Leben

Als Galinas Unterschenkel amputiert werden musste, dachte sie, sie könnte nie wieder Laufen oder Radfahren. Mit einem E-Bike fasste sie in der Reha neuen Mut und stieg wieder aufs Rad.

Radfahren als Reha für Galina (Foto: SWR)

Für Galina brach eine Welt zusammen

Die Ärzte versuchten ihr Möglichstes, doch irgendwann stand fest: Galinas Unterschenkel musste amputiert werden. Für die heute 20-jährige brach eine Welt zusammen. Sie dachte, sie könne nie wieder gehen, laufen oder Sport treiben. Nachdem die Wunden verheilt waren, erhielt sie eine Prothese und machte in der Reha die ersten Bewegungsversuche. Auf ein Rad steigen - das schien damals undenkbar!

Mit dem E-Bike zurück ins Leben (Foto: SWR)

Als sie dann aber in der Nachsorgeklinik Tannheim in Villingen-Schwenningen den Versuch wagte, auf ein E-Bike zu steigen, klappte das Treten der Pedale trotz Prothese fast wie von alleine. Sie konnte sich ganz aufs Fahren konzentrieren und hatte keine Angst, sich in den Pedalen zu verheddern. Dadurch fand sie neuen Lebensmut, Zuversicht und machte auch in der Reha insgesamt schneller Fortschritte. Heute steigt sie gerne wieder auf das Rad und fährt los, als wäre nie etwas gewesen.

Mit E-Bikes neue Möglichkeiten erfahren

Schon jetzt gibt es in Tannheim einige E-Bikes, mit denen chronisch kranke oder gehandicapte Kinder und Jugendliche in Begleitung ihrer Therapeuten kleine Touren machen. Das macht Spaß und fördert das Selbstvertrauen. Herzenssache wird dieses Erfolgsmodell der Sporttherapie durch den Kauf von zehn weiteren E-Bikes ausweiten, um mehr Kindern die Teilnahme an dem Reha-Sportangebot zu ermöglichen. Auch soll damit das Therapieangebot noch optimaler auf die verschiedenen Patienten zugeschnitten werden können.

Die Bewegung auf den Bikes verbessert das Wohlbefinden der Kinder, ohne dass sie sich überanstrengen müssen. Sie gewinnen neuen Mut und Selbstvertrauen, können trotz Handicap "ganz normal" unterwegs sein und fühlen sich nicht ausgegrenzt oder stigmatisiert.

Die Nachsorgeklinik Tannheim ist eine als gemeinnützige GmbH geführte Nachsorgeklinik zur Rehabilitation von Familien mit krebs-, herz- und mukoviszidosekranken sowie chronisch kranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Tannheim, einem Stadtteil von Villingen-Schwenningen. Die Rehaklinik wurde 1997 in Betrieb genommen und unterhält neben zahlreichen Therapieeinrichtungen und -angeboten eine eigene Schule, einen Kindergarten, einen Musik- und Werkraum sowie eine große physiotherapeutische Abteilung mit Hallenbad. Unterstützt wurde die Klinik schon vor der Gründung von Herzenssache e.V. durch verschiedene Spendenaktionen des SWF/SWR. Dabei kamen insgesamt gut 3,1 Millionen Euro an Spenden zusammen.

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