Pirmasens: Unterstützung für Teenagermütter "Hier erfahre ich Dinge, die mir sonst keiner erklärt!"

Selbst noch Teenager, keine Ausbildung und plötzlich schwanger – Mama mia! Da gerät die Welt schon mal ins Wanken. Herzenssache hilft, junge Mütter zu stärken.

Kleingruppe spielt (Foto: SWR)

Acht junge Frauen und zwölf Kinder füllen den Konferenzraum des Caritas-Zentrums beim Nachtreffen des Mama mia-Kurses. In den Schwangerschaftskursen des Caritas Zentrums Pirmasens werden Teenager-Mütter rund um ihre Schwangerschaft betreut und begleitet. "Hier sind Freundschaften entstanden", erzählt Jeannette*. Über eine WhatsApp-Gruppe tauschen sich die jungen Frauen aus, doch "hier zusammen zu sitzen, das ist etwas Besonderes. So eine familiäre Atmosphäre, das kenne ich von daheim nicht – und da habe ich auch kein so tolles Buffet", fügt Laura* lächelnd an. Den jungen Frauen hilft das Gefühl, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind, es anderen genauso geht. Besonders die Unterstützung von den Kursleiterinnen Gerdi und Ursel wissen sie zu schätzen: "Sie waren immer für uns da, für alle Fragen. Manchmal haben sie für uns auch jemanden eingeladen, zum Beispiel vom Jugendamt. Und der erzählte uns dann alles, was uns sonst keiner einfach so erklärt hätte."
*Namen von der Redaktion geändert

Gemeinsam das Kind schon schaukeln

Frauen von Mama mia (Foto: SWR)

Die Mama mia-Kurse sind ein gemeinsames Angebot des Caritas-Zentrums Pirmasens mit der Katholischen Familienbildungsstätte Pirmasens. Anlass war vor allem die hohe Rate an Teenager-Schwangerschaften in Pirmasens sowie Erfahrungen aus der Schwangerschaftsberatung. Viele der jungen Frauen fühlen sich mit der Versorgung ihres Babys überfordert und tun sich oft schwer damit, eine tragende Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Die beiden Kursleiterinnen spüren, wie ihre Hilfe geschätzt und gebraucht wird. Gerne möchten sie dem Wunsch der jungen Mütter nachkommen und einen Folgekurs anbieten, der sich an Mütter mit Kindern ab 18 Monaten richtet. Besonders in der Zeit bis zum zweiten Lebensjahr sind Teenie-Mütter noch sehr unsicher in der Betreuung sowie bezüglich ihrer eigenen Perspektiven: "Ich bin mit 16 schwanger geworden. Meine beiden Kinder sind noch so klein – ich weiß gar nicht, ob ich in der Situation überhaupt eine Ausbildung anfangen kann", überlegt Laura. Gerdi und Ursel nehmen alle Wünsche der Mädchen auf, da kommt einiges zusammen. Jeannette lacht: "Das Gute wäre, dass wir in den Gruppentreffen nicht nur darüber sprechen würden, sondern dass ihr auch ganz viel dazu beitragen würdet, dass wir das dann auch umsetzen!"

Wichtige Unterstützung im Alltag

Das Konzept umfasst wöchentliche Gruppentreffen, videogestützte Beratung zum Umgang mit dem Kind sowie indivduelle Hilfen in Krisensituationen und ein Bereitschafts-Handy für schnelle Hilfen. Externe Referentinnen werden themenspezifisch hinzugezogen, beispielsweise aus der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung. Innerhalb der drei Förderjahre sollen drei Gruppen angeboten und rund 30 junge Mütter erreicht werden. Die Ergebnisse werden evaluiert.

Herzenssache fördert das Projekt, weil…

  • die Quote an minderjährigen Müttern in Pirmasens deutschlandweit unter den Spitzenreitern ist und deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt
  • Pirmasens mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 12% ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt liegt und die Kursteilnehmerinnen häufig keine Ausbildung abgeschlossen haben
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