Saarbrücken: Rhythmusspiele fördern Sprache und Integration "Move and Groove" - Musik reißt alle mit

An dieser Grundschule kommen alle Kulturen zusammen. Trommeln und Rhythmusspiele könnten helfen, die fremde Sprache zu lernen, doch es fehlt die Finanzierung. Herzenssache hilft.

Kinder der Ganztagsschule Weyersberg (Foto: SWR)

Die Offene Ganztagsgrundschule Weyersberg ist mit 500 Schülern die größte Grundschule des Saarlands. 70 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund, bei 75 Prozent leben die Eltern von Hartz IV, 20 Prozent werden durch das Jugendamt betreut. In den letzten Jahren sind viele Kinder aus Osteuropa und den Kriegsgebieten in Syrien hinzugekommen und entsprechend traumatisiert.

In Zusammenarbeit mit der Musikschule Saarbrücken soll das Musikprojekt "Moove and groove" helfen, sich mitreißen oder anregen zu lassen und den eigenen Rhythmus (wieder) zu finden. Neben der Entwicklung von musikalischen Fähigkeiten steht die Inklusion von Flüchtlingskindern im Mittelpunkt. Musik und Percussioninstrumente sind hierfür besonders geeignet, da sich Sprach- und kulturelle Barrieren hier besonders leicht überwinden lassen. Ein wesentlicher Bestandteil sind Rhythmusspiele und Lieder, die helfen, die neue Sprache zu lernen.

Nour mit einer Trommel (Foto: SWR)

Der Förderverein träumt schon lange davon, so ein Musikprojekt in den dritten Klassen anzubieten. Mit Unterstützung von Herzenssache wird das Projekt regelmäßig in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden.

Nour möchte am liebsten Nora genannt werden. Sie kam mit sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland. Ihre Mutter spricht Arabisch, ihr Vater Kurdisch. Nora spricht mit beiden Eltern in der jeweiligen Muttersprache und bringt ihren Eltern zusätzlich Deutsch bei. Auch in der Schule dolmetscht sie. Sie sagt, dass sie Deutschland liebt und irgendwann einmal richtig gut Deutsch sprechen und schreiben können möchte. Sie liebt Musik, singt und tanzt gerne, am liebsten zu indischer Musik.

Bildungsstatus und Einkommen entscheidend fürs Musizieren
Ob Jugendliche Musik machen, hängt vom Bildungsstatus und dem Einkommen der Eltern ab. So lautet das Fazit der Hochschule für Musik, Theater und Medien aus Hannover. Besonders selten musizieren Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten, Jugendliche mit niedrigem Bildungsstatus und mit Migrationshintergrund.
Ungefähr jeder vierte Jugendliche in Deutschland macht Musik. Hat der Vater Abitur gemacht, verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jugendlicher ein Instrument spielt oder singt. Quelle: Studie "Jugend und Musik", Bertelsmann-Stiftung und Deutscher Musikrat, September 2017

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