Rottenburg: Folgeförderung Starke Zukunft Aufwachsen mit Perspektive

Als Hazbije fünf Jahre alt ist, ändert sich ihr Leben: Ihr Vater wird straffällig und kommt in Haft. In ihrem Wohnort macht das schnell die Runde. Von da an steht ihr ganzes Leben Kopf.

Hazbije auf Schaukel (Foto: Herzenssache)
Herzenssache

Nach und nach zerbröckelt das Familienglück. Die Wohnung ist für die Mutter alleine nicht mehr zu bezahlen. Sie zieht mit Hazbije und ihren kleinen Bruder Elias zu den Großeltern. Hier finden sie ein neues Zuhause. Doch es gibt wenig Privatsphäre und kein eigenes Kinderzimmer. Überall im Ort kursieren Gerüchte, dazu die finanzielle Notlage und der Vertrauensbruch des Vaters. Die Beziehung der Eltern hält dem Druck nicht Stand. In der Schule stellen die Lehrer Verhaltensauffälligkeiten des Mädchens fest. Hazbije kann sich schwer konzentrieren, tut sich schwer, Freundschaften zu knüpfen und wirkt oft traurig. In der Pause kommt es häufig zu Konflikten. Hazbije geht jetzt jeden Montag zur Herzenssache-Gruppe des Jugendzentrums MOKKA. Hier taut sie auf, gewinnt neues Selbstvertrauen, wie auch Vertrauen zu anderen Kindern. Hier ist sie keine Außenseiterin mehr. Besonders toll findet sie es, im Sand ihre Geschichten mit kleinen Figuren nachzustellen. So kann sie ohne Worte Erlebtes verarbeiten und einfach mal unbeschwert Kind sein.

Folgeförderung für eine starke Zukunft

Durch die Unterstützung von Herzenssache kann MOKKA e.V. seit 2018 ein kostenfreies Gruppentraining für Kinder im Grundschulalter anbieten, die seelisch oder körperlich aus dem Gleichgewicht geraten sind. Bei MOKKA treffen unterschiedlichste Kinder aufeinander – mit und ohne Behinderung, Migrationshintergrund, psychisch kranken Eltern und viele Kinder aus Familien an der Armutsgrenze. Mit kreativen, kindgerechten Methoden werden die Stärken der Kinder bei MOKKA gezielt gefördert. Auch lernen sie, mit Herausforderungen umzugehen. Ergänzend vermitteln Bewegungsspiele ein gutes Körpergefühl, denn viele der Kinder neigen zu Übergewicht. Und auch das Schwimmen wird trainiert, denn viele Kinder können nicht richtig schwimmen, weil zu Hause Zeit und Geld für Schwimmbadbesuche fehlen. So werden die Kids rundum in ihren Fähigkeiten und ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. Besuche bei regionalen Firmen wecken außerdem die Neugier auf mögliche Berufe außerhalb ihres gewohnten Umfelds und machen Mut, sich dafür zu qualifizieren. Begleitende Elterncoachings sorgen für entsprechende Nachhaltigkeit. Und die Erfolge bleiben nicht unbemerkt! Inzwischen fragen Kinderärzte, Lehrer, Erzieher und Eltern selbst beim Jugendzentrum das Angebot an. Knapp 90 Kinder konnten bislang profitieren. Durch eine Folgeförderung können 100 weitere Kinder profitieren und das Projekt darüber hinaus langfristig gesichert werden.

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