Singen: Gruppe für Kinder suchtkranker Eltern "Ich bin nicht schuld, dass Mama getrunken hat"

In der Gruppe für Kinder suchtkranker Eltern konnte Jana fünf Jahre lang einfach Kind sein. Das half ihr, trotz allem ein normales Leben zu leben. Damit ist sie heute Vorbild für andere.

Jana mit 12 (Foto: SWR)

"Dass Zuhause nicht alles so war wie bei anderen, hatte ich schon bemerkt, aber das durfte keiner erfahren – dachte ich. Ich hatte ein Geheimnis, das es zu bewahren galt, denn es war alles andere als "cool", dass Mama zu Hause trank." 16 Jahre ist es her, dass Jana mit ihrer kleinen Schwester die Kindergruppe besuchte. Hier lernte Jana, die heute 28-Jährige, offen über das zu sprechen, was ihr widerfahren war und wie es ihr wirklich ging. "Die Kindergruppe war für mich eines der Sicherheitsnetze unter meinem Seiltanz durchs Leben", sagt sie heute. Sie freut sich sehr, dass mit Unterstützung von Herzenssache noch mehr Kinder die Chance haben, so ein Sicherheitsnetz zu bekommen.

Urlaub von zu Hause

Durch unsere Förderung soll das gesamte Angebot für Kinder suchtkranker Eltern im Raum erweitert werden. Außerdem wird der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) seine Aufklärungsarbeit zu dem Thema in Schulen und Kitas verstärken, denn das Thema Sucht in der Familie ist mit vielen Tabus belastet.
Die bestehende Kindergruppe wird in zwei Altersgruppen geteilt und personell verstärkt werden. Statt bisher acht können in Zukunft 16 Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Zusätzlich wird es einmal im Jahr eine einwöchige Freizeit geben, in der die Kinder „Urlaub von zu Hause“ machen. Herzenssache übernimmt die Stellenfinanzierung für einen in Suchttherapie ausgebildeten Sozialpädagogen, der die Gruppe leitet sowie für Elterngespräche und für die Vernetzung mit dem Jugendamt, der Kita und der Schule zuständig ist. Außerdem ermöglicht unsere Förderung den Kindern die Teilnahme an der Ferienwoche.
Zusätzlich wird der "bwlv" einmal pro Jahr einen Fachtag veranstalten – mit einem Schwerpunkt im Bereich "Fetales Alkoholsyndrom (FAS)". Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft weiter getrunken haben, kommen quasi als Alkoholiker zur Welt und müssen ihr Leben lang damit umgehen. Auf diese Zielgruppe ist der Verein "Pfad für Kinder" spezialisiert, der mit seinem "Haus Trampelpfad" in Singen und seinen Angeboten in die Gesamtkonzeption eingebunden ist.

Herzenssache fördert dieses Projekt, weil…

  • in Deutschland rund 2,65 Mio. Kinder mit alkoholkranken Eltern aufwachsen (Quelle: Nacoa Deutschland)
  • Kinder suchtkranker Eltern ein stark erhöhtes Risiko haben, ohne Therapie ebenfalls suchtkrank zu werden
  • in Deutschland jährlich rund 10.000 Neugeborene aufgrund von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft mit dem Fetalen Alkoholsyndrom "FAS" zur Welt kommen
Dauer
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