Mannheim: Time Out – Auszeit statt Schulabbruch bei Zwischenraum e.V. Wie Paul es schaffte, wieder gerne zur Schule zu gehen

Als Pauls Eltern sich trennten, hatte er Selbstmordgedanken und verweigerte die Schule, sollte ins Heim. Bei Zwischenraum e.V. fühlt er sich angenommen und findet zu neuem (Lebens-)Mut.

Auszeit statt Schulabbruch (Foto: SWR)

Paul* fühlte sich schon in der Grundschule nicht verstanden und mit seinen Problemen alleine gelassen. In der Realschule wurde es noch schlimmer. Als sich seine Eltern dann noch trennten, hatte er Schuldgefühle und Selbstmordgedanken. Auch seine Mutter machte sich selbst Vorwürfe. Paul flüchtete sich in Computerspiele und schwänzte die Schule.

Trotz zahlreicher Gespräche mit Lehrern, Schulsozialarbeiter und Psychologe gab es keine Erfolge. Das Jugendamt wollte ihn ins Heim einweisen. Dann kam Paul zu Zwischenraum e.V. und fand hier wieder zu Selbstwert, Mut und Lebensfreude. Er wurde in seinen Fähigkeiten gefördert und geht seit Sommer 2017 wieder gerne zur Schule. Und auch die Eltern wurden von Zwischenraum e.V. gut betreut.

Herzenssache unterstützt schnelle Hilfe auf dem kleinen Dienstweg

Die Pädagogen und Betreuer im Projekt "Time out" wollen frühzeitig bei ersten Anzeichen ansetzen und erst einmal keine große Maßnahme an offiziellen Stellen ins Rollen bringen. Herzenssache wird einen Teil der Personalkosten übernehmen. Diese werden von öffentlichen Trägern nicht gedeckt, da diese erst dann eingreifen, wenn die Schüler bereits mehrfach im Unterricht gefehlt haben und das Jugendamt verständigt werden muss. Den Kindern soll eher auf dem kleinen Dienstweg in stunden- oder tageweisen Beurlaubungen von der Schule in einem anderen Umfeld wieder ein Sinn im Lernen (und Leben) aufgezeigt werden.

Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Schulen. In Natur- und handwerklichen Projekten auf dem Bauernhof oder im Camp erfahren die Kinder, dass sie selbst etwas bewegen und Probleme im Alltag meistern können. Das soll Kindern wie Paul neues Selbstvertrauen geben. Das Projekt "Time Out" möchte verhindern, dass es zu Schulabbruch, Folgeproblemen und einer "Laufbahn" in Psychiatrie und Heim kommt. Bis zu 15 Plätze für Kinder und Jugendliche sollen pro Jahr mit Hilfe von Herzenssache e.V. entstehen.

*Name geändert

Warum Frühintervention? Bei der Frühintervention handelt es sich um ein pädagogisches Konzept, das kein Pflichtangebot der Kinder- und Jugendhilfe darstellt. Ziel ist es, dass die Schüler wieder gerne zur Schule gehen und es gar nicht erst zu einer Schulverweigerung kommt. Anlass für dieses neue Konzept ist, dass in der Region Mannheim nach Angaben von Zwischenraum e.V. fast 7% aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen und viele davon dann bereits eine "Laufbahn" in Heim oder Psychiatrie hinter sich haben. Bundesweit sind dies nach Angaben des Vereins rund 53.000 Schüler pro Jahr.

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