Hochwasserhilfe braucht langen Atem

Ahrtal: "Es wäre schön, wenn die Hilfsbereitschaft anhält”

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"In den überfluteten Gebieten im Ahrtal gibt es Kitas, die keine Geschenke mehr annehmen, weil sie derzeit mit Paketen überrannt werden”, sagt Siglinde Hornbach-Beckers.

Siglinde Hornbach-Beckers (Foto: Herzenssache)
Siglinge Hornbach-Beckers leitet den Fachbereich Jugend und Familie der Kreisverwaltung Ahrweiler und ist von Anfang an Mitglied im Krisenstab. Herzenssache

“Dass so viele Menschen an uns denken, ist gut, aber wir brauchen diese Unterstützung auch im nächsten Jahr noch.”

Wir haben Siglinde Hornbach-Beckers gefragt, was Menschen in den überfluteten Gebieten jetzt und in nächster Zeit von uns brauchen.

Was wünschen Sie sich von unseren Spendern und von Herzenssache?

Bevor ich auf die Frage eingehe, möchte ich zunächst ein aufrichtiges Dankeschön an Herzenssache und die vielen Spenderinnen und Spender richten. Durch die großartige Unterstützung war es uns in den vergangenen Wochen möglich, verschiedene Vorhaben im Interesse der von dem Hochwasser betroffenen jungen Menschen und deren Familien umzusetzen. Dies berührt sehr, macht Mut und zeigt uns, dass wir in dieser schwierigen Situation nicht alleine sind.
Es wäre schön, wenn die Hilfsbereitschaft auch weiterhin anhält und die Menschen im Ahrtal auf dem langen Weg des Wiederaufbaus und der Gestaltung ihrer Zukunft weiterhin Unterstützung erhalten.

Was brauchen Kinder, Jugendliche und ihre Familien in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten aus Ihrer Sicht mittel- und langfristig am meisten?

Die im Ahrtal betroffenen Menschen müssen schnell in den Alltag zurückkehren und diesen leben können. Auch ist es von zentraler Bedeutung, alle Generationen im Rahmen des Wiederaufbaus jeweils altersgerecht zu beteiligen, statt Bedarfe für sie zu formulieren. Und hier sehe ich alle Akteure in der Verantwortung, sich entsprechend auszurichten.

Was passiert denn gerade in Sachen Wiederaufbau?

Arbeiter errichten an der Landesstrasse 73 zwischen Insul und Schuld eine Stützmauer zur Ahr hin.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
picture alliance/dpa | Thomas Frey

Schon am 23.07.2021 haben wir einen Runden Tisch „(Wieder-)Aufbau der sozialen Infrastruktur“ gegründet, dem mittlerweile über 30 Organisationen angehören. Zentrales Ziel ist: die Menschen auf ihrem Weg in eine positive Zukunft zu begleiten und mit bedarfsorientierten Maßnahmen und Vorhaben zu unterstützen. Zwischenzeitlich haben sich aus dem Runden Tisch heraus fünf Arbeitsgruppen gebildet, die u. a. in 2022 Beteiligungsprojekte für Kinder, Jugendliche und Familien in deren direktem Lebensumfeld umsetzen möchten.

Welche Hilfsangebot zur psychosozialen Bewältigung gibt es?

Die Arbeitsgruppe „Psychosoziale Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ hat ein Konzept ausgearbeitet und Kitas das Angebot einer kontinuierlichen und vor allem qualifizierten Begleitung durch eine psychologische, beziehungsweise therapeutische Fachkraft gemacht.18 Kitas haben bereits den Wunsch einer Erstberatung angemeldet. Hier wird geklärt, ob weitere Unterstützung erforderlich ist und wie diese konkret ausgestaltet werden kann. Das Angebot reicht von allgemeinen Infos zum Umgang mit Kindern in Belastungs- und Krisensituationen über die Reflexion eigener Betroffenheit der Kita-Teams bis hin zur Begleitung von Elterngesprächen.

Wie erreichen Sie die Menschen, die Hilfe und Beratung brauchen?

Seit dem 16.09.2021 ist darüber hinaus der „Mobile Beratungsbus“ (gefördert von Plan International e. V.) unterwegs, der im Aufbaugebiet an 16 Orten Station macht. Ein in zwei Büros und eine Spielecke umgebauter Reisebus ist seither regelmäßig von 9 bis 17 Uhr in den betroffenen Orten und Stadteilen unterwegs. An jeweils markanten Standorten bieten anerkannte Träger und Fachkräfte aus dem psychosozialen Bereich, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien, Informationen und Beratung zu allen Fragen des sozialen Alltags in der Phase des Wiederaufbaus an.
Der mobile Beratungsbus wird rollierend besetzt: Angefangen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugend- und Sozialamts der Kreisverwaltung Ahrweiler, der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier, der hiesigen Caritas, des DRK-Kreisverbands, des Jugend-Hilfe-Vereins, der Kath. Familienbildungsstätte, den Gemeindeschwestern plus, Sozialstationen, Jobcenter und Agentur für Arbeit bis hin zur DRK-Fachklinik etc. Die Inanspruchnahme ist derzeit von Ort zu Ort unterschiedlich. Bisher nutzen überwiegend Eltern bzw. Erwachsene das Angebot.

Wir sind kurz vor Weihnachten. Wie helfen Sie Familien, gut durch diese besondere Zeit zu kommen?

Rollender Adventskalender (Foto: SWR, SWR/LauraBisch)
SWR/LauraBisch

Im Rahmen der Aktion der „Rollende Adventskalender“ werden zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Akteure in der Kinder- und Jugendarbeit des Kreises Ahrweiler vom 01.12.2021 - 24.12.2021 täglich von 16-17 Uhr im Aufbaugebiet von Sinzig über die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die betroffenen Orte in den Verbandsgemeinden Altenahr und Adenau aufsuchen, um mit Kindern gemeinsam den Advent zu erleben und positive Momente Erfahrungen zu ermöglichen. Die Angebote reichen von Mit-Mach-Aktionen bis hin zum Puppenspiel und Märchenlesen.

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