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Barrierefreiheit ist mehr als eine Rampe oder ein Aufzug. Das Kindertheater Tempus fugit möchte die Inklusion voranbringen und auch für blinde und hörgeschädigte Kinder da sein.

Teilnehmer von Tempus Fugit (Foto: Herzenssache)
Herzenssache

Jedes Jahr erleben rund 4.500 Kinder den Zauber des Theaters bei Tempus fugit e.V. - entweder als Zuschauer oder als aktive Mitspieler. Zwei davon sind Freddy und Felix. Sie freuen sich darüber, schon bald mit Kindern Theater spielen zu können, die anders sehen oder anders hören als sie selbst. Das macht ihre Erfahrungen reicher, lässt sie Inklusion erleben. Mit dem barrierefreien Ausbau des Theaters im Bereich Hören und Sehen könnte dieser Traum endlich wahr werden. Pro Jahr könnten etwa 50 Kinder mit Einschränkungen selbst aktiv mitspielen oder die Aufführungen im Publikum verfolgen. Tempus fugit möchte damit Modell für andere Theater sein und kooperiert deswegen mit über 40 Schulen in Süd-Baden-Württemberg.

Mit der entsprechenden Technik die Behinderung vergessen

Im Theater gibt es überlicherweise etwas zu sehen und zu hören. Doch für seh- oder hörberhinderte Kinder und Jugendliche funktioniert das so nicht. Tempus fugit e.V. möchte das verändern: “Inklusion kann so konsequent weitergedacht werden. Nicht als Einbahnstraße, sondern als gegenseitige Teilnahme. Auf vielfältigem Wegen alle Sinne anzusprechen, Barrierefreiheit so auszubauen, dass alle Kinder und Jugendliche davon profitieren können, das ist das Ziel eines inklusiven Theaters”, sagt Theatervorstand und Regisseurin Karin Maßen. Nachdem das Theater mit Unterstützung von Herzenssache bereits einen Aufzug eingebaut hat, sollen nun mit erneuter Hilfe von Herzenssache auch in den Bereichen Hören und Sehen weitere Hürden abgebaut werden.

Dazu möchte Tempus fugit für sehbehinderte Kinder eine eigene Audiodeskription für seine Stücke entwickeln und diese auf Kopfhörer übertragen. Dabei wird blinden und sehbehinderten Kindern das Stück und das Bühnenbild beschrieben. Kinder mit Hörbehinderungen sollen den Dialogen besser folgen können, indem die Sprache ohne Störung durch Umgebungsgeräusche auf das Hörgerät oder das Cochlea-Implantat übertragen wird. Damit das Mitmachen in interaktiven Theaterstücken für diese Kinder leichter wird, sollen die Texte zusätzlich auf eine große Anzeigetafel projiziert werden. Auch bei mobilen Produktionen können alle technischen Hilfsmittel angeboten werden. So können beeinträchtigte Kinder auch in Schulen und bei Open-Air-Veranstaltungen von der Technik profitieren. Das Theater wird so immer mehr ein Ort für alle Kinder, die Behinderungen treten in den Hintergrund.

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